Beiträge von Konoe Akiko

    Ich wusste natürlich das jedwede Diskussion ohnehin nutzlos war. Ich war eine Konoe und als solche hatte ich zahlreiche Privilegien von denen die meisten Menschen in Shinkoku nur träumen konnten. Allerdings ging das auch mit einigen Pflichten einher, die ich schon vor langer Zeit akzeptiert hatte.


    "Was kannst du mir denn über Sawara-Shinno noch berichten, Otoutochan?"

    Ich war es seit frühester Kindheit gewohnt, das alles was ich tat und alles wofür ich stand nur aus einer kühlen, emotionslosen, strategischen Sichtweise betrachtet wurde. Diesen kühlen, berechnenden Unterton vernahm ich jetzt auch in der Stimme meines Zwillingsbruders, als dieser mir von der angedachten Vermählung berichtete und dabei die vorteilhaften familiären Verbindungen rühmte. Natürlich versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen, noch etwas das man mir seit frühester Kindheit eingeimpft hatte.


    "Oh..., ja... Sawara-Shinno."

    Ich blickte meinen Zwillingsbruder fragend an. Zwar hatte unsere Schwester bereits angedeutet das große Entscheidungen zu treffen seien und ich bald meinen Platz finden würde, doch die Umstände am Hofe hatten ein tieferes Gespräch verhindert. Also wollte ich die Gelegenheit nutzen und mit meinem Bruder darüber sprechen.


    "Onee-sama hat etwas angedeutet, aber die Ereignisse am Kaiserlich Hof haben sie wohl daran gehindert noch ausführlicher darauf einzugehen. Aber vielleicht kannst du mir ja etwas darüber erzählen, du weißt wie neugierig ich bin."

    Der Kaiserliche Palast wirkte imposant und in gewisser Weise auch furchteinflößend. Ich war schon einige Male hier gewesen, doch bislang hatte ich noch nie die Ehre gehabt, vor die Kaiserin zu treten. Doch in diesen Tagen sollte es nun endlich soweit sein und ich freute mich auf diese Erfüllung eines lange gehegten Wunsches.

    Ich höre wie die Türe geschlossen wird und trage die noch fehlenden Teeutentsilien in den Raum, die ich so vor mir anordne, das sie pragmatische und zugleich harmonische Bewegungsabläufe während der nachfolgenden Teezeremonie ermöglichen.


    Zu den wichtigsten Utensilien zählen die Teeschale (Chawan), die Teedose (Chaire) für den starken Tee (Koicha) und für den leichten Tee (Usucha), das Frischwassergefäß (Mizusashi), der eiserne Wasserkessel (Kama), der Teebambuslöffel (Chashaku) und der Teebesen (Chasen). Das seidene Teetuch (Fukusa) trage ich als der Gastgeber an meinem Obi (Gürtel des Kimono).


    Als erstes serviere ich nun den dicken Tee, den Koicha.

    Meine Schwester verstand es, mir ein schlechtes Gewissen zu machen.


    "Entschuldige, Neesan. Aber ich wollte doch nur Hideto sehen." Versuchte ich mich kleinlaut zu rechtfertigen.


    "Außerdem mache ich große Fortschritte und selbst der Griesgram Tanaka wird das bestätigen."

    Ich lächelte etwas verlegen, trat ein, zwei Schritte zurück und musterte meinen Bruder.


    "Irgendwie hatte ich dich größer in Erinnerung. Bist du etwa geschrumpft?" Kicherte ich etwas kindlich, doch ich hatte es einfach vermisst meinen um ein paar Minuten älteren Bruder zu triezen.

    Als ich gehört hatte das mein Bruder Hideto angekommen war, brach ich meine Unterweisung in der Tee-Zeremonie augenblicklich ab. Natürlich würde mein Lehrmeister mich dafür tadeln, doch in diesem Moment wollte ich nur meinen so lange vermissten Zwillingsbruder in die Arme schließen. Als ich den privaten Speisebereich des Hauses erreichte, war meine Schwester Nanako gerade dabei, Hideto auf den neuesten Stand zu bringen. So war meine große Schwester eben, immer auf die wichtigen Dinge und das große Ganze fokussiert und sich ganz und gar in den Dienst unserer Familie stellend. Ich liebte und respektierte sie sehr, doch selbst wenn dies nicht der Fall wäre, so hätte ich nie gewagt die Uji no kami einfach so zu unterbrechen. Doch als meine Schwester mich mit einem Lächeln heran winkte, gab es kein halten mehr.


    "HIDETO!!!" Lief ich auf meinen Bruder zu und umarmte diesen ungestüm als er sich erhob.