In einer Sakestube...

  • ...sitzt Hideto. Es war eine der einfacheren Sakestuben. Dementsprechend war auch das Publikum, dass diese Schenke besuchte; zu meist Hafenarbeiter, Tagelöhner, Nichtstuer und Taugenichtse.


    Hideto trug deshalb nicht wie sonst einen seiner maßgeschneiderten Anzüge, sondern ein leicht schmuddeliges Hemd und ein abgetragenes Jackett. Sein Haar hatte er verwuschelt und statt seiner Brille trug er Kontaktlinsen in den Augen. Diese Kontaktlinsen hatte eine andere Farbe, als seine eigentliche Augenfarbe. So sollte es unmöglich sein von jemanden erkannt zu werden.


    Warum tat er das? Nun, er wollte Informationen sammeln, Gerüchte aufschnappen über Akasugi Shun und Saigō Kaede. Irgendetwas, das von Nutzen sein konnte für seine Schwester und seine Familie.


    Eines der Kellnermädchen brachte ihn eine Karaffe Sake, die er bestellt hatte. Ihm schauderte es schon bei dem Gedanken diese Gesöff trinken zu müssen. Aber er riss sich zusammen, trank den billigen Alkohol und ließ seinen Blick durch den gut gefüllten Gastraum schweifen und spitzte seine Ohren.


    SIMOFF: Freie Sim, jeder der Interesse hat ist herzlich eingeladen mitzumachen.

  • Ich schüttete gerade das Zeug was sie hier als Sake verkauften meine Kehle hinunter, als mir der Typ an am anderen Ende des Ladens auffiel. Es gab Menschen die gehörten einfach hier her, zumeist Abschaum und maßlose Alkoholiker, aber dieser Kerl gehörte definitiv nicht hier her. Auf den ersten Blick passte er gut hier rein, die aufgetragene Kleidung, die zerzausten Haare und der billige Fusel den er wie die übrigen hier vor sich stehen hatte.


    Und genau da begann seine Maskerade zu bröckeln.


    Während hier alle, inklusive mir das Zeug das sie hier günstig erstanden in sich hinein gossen um sich von der tristen Umwelt zu lösen, schien dieser Kerl durchaus im hier und jetzt verbleiben zu wollen. Er blickte sich um und starrte nicht betäubt vor sich hin wie die meisten anderen hier. Er lallte nicht herum, er suchte nicht die Geselligkeit mit einer der üppigen Damen hier die zwar schon etwas verwelkten, aber dennoch nicht müde wurden sich der hiesigen Kundschaft feil zu bieten. Seine Haare waren zerzaust, aber sie wirkten nicht fettig wie viele es hier ungeniert zur Schau trugen, sie wirkten gepflegt und adrett geschnitten. Seine Fingernägel wirkten wie frisch manikürt, kein Dreck, keine Schwielen durch harte Arbeit wie man es von Leuten im Hafenviertel gewohnt war. Einzig seine Kleidung passte wirklich gut hier her, aber seine ganze Haltung sagte wiederum etwas anderes aus. Er saß gerade, fast etwas steif und das zeugte von einer gewissen inneren Haltung und das machte die ungewohnte Kleidung die er sich übergezogen hatte weit wenig überzeugend.


    Dem Rest hier fiel der Kerl nicht auf, entweder weil sie schon zu besoffen waren, oder weil es sie einfach nicht interessiert. Vielleicht auch einfach weil ihnen die Fähigkeiten fehlten, die mir zu eigen waren. Ich wusste nicht was der Typ hier wollte, aber meine Neugierde war geweckt und ohnehin, mein Sake war leer. Ich stand auf und hielt Kurs auf den Kerl, bis ich an seinem Tisch stand.


    "Ist hier noch frei?"



  • Hideto hatte erst einen Becher von dem Gesöff getrunken. Der Fussel war so stark, wie er billig war. Plötzlich trat ein Mann auf ihn zu.


    Selbstverständlich, setzt Eu...Klar, setz dich, Kumpel.


    Am liebsten wollte er sich selbst Ohrfeigen, "Pass besser auf, Hideto". Zumindest hatte er seiner Stimme ein leichtes Kratzen gegeben. Auch wenn Shinkoku und Heijan viel gemeinsam hatte, gab es doch Dialektunterschiede. Er wählte deshalb einen breiten heijanischen Dialekt, durch das Verschlucken einiger Wortendungen versuchte er zu kaschieren, dass er die Betonungen der heijanischen Oberschicht benutzt.

  • Zu Beginn meines Studiums dieses seltsamen Typen hatte ich noch geschwankt, welche Kleidung er wohl in Wirklichkeit bevorzugen würde. Meiner Erfahrung nach konnte das entweder ein Anzug, oder aber eine Uniform sein. Weder das eine, noch das andere wäre ungewöhnlich, denn das Bakufu hatte seine Spitzel überall und die wohl situierten Geschäftsleute wollten sich ungern selbst die Hände schmutzig machen. Nach dem ersten Satz meines neuen Bekannten schloss ich allerdings eher auf den Anzug, einem geschulten Militär würden solche Versprecher nicht passieren, das wusste ich nur zu genau. Allerdings benebelte der Ginsha noch etwas meinen Verstand, von daher hielt ich mir dennoch beide Optionen offen.


    "Sehr nett von dir, Dachikō. Alleine zu trinken macht keinen Spaß. Du erlaubst doch..." Griff ich nach dem Sake.

  • Für die Gegend hier hatte mein Gegenüber wirklich perfekte Zähne. Strahlend weiß und gerade aneinander gereiht wie bei einer Militärparade. Entweder prügelte sich mein neuer Freund nur selten, oder aber er hatte das nötige Kleingeld, um sich einen guten Dentologen zu leisten. Wie auch immer, das war so oder so ein Umstand der ihn für dieses Drecksloch disqualifizierte.


    "Sagen wir es so, ich bin Dienstleister und ich verfüge über eine gute Menschenkenntnis, gepaart mit einer ausgezeichneten Beobachtungsgabe. Und bei dir stimmt irgendwie gar nichts." Ich genehmigte mir einen Schluck Sake.


    "Aus meiner Sicht gibt es zwei Möglichkeiten. Endweder du bist irgendein feiner Pinkel der hier irgendwas oder irgendwen sucht, da könnten wir ins Geschäft kommen. Oder aber du bist einer dieser dreckigen kleinen Spitzel, das würde den Mob hier sicherlich brennend interessieren und ich hätte wenigstens etwas Spaß dabei zuzusehen wie sie dich auseinander nehmen." Noch ein Schlückchen.


    "Also, Kumpel. Wie geht das hier aus?"

  • Hideto nächster Gedanken war.. "Scheiße"...er hatte nicht damit gerechnet, dass er irgendjemanden ihm auf die Schliche kommen würde. Er überlegte schnell was tun sollte. Weiter lügen? Das hatte keinen Zweck. Sein Gegenüber schien aber nicht zu wissen wer er war, das war gut. Das konnte er nutzen.


    Nun, ein Spitzel bin ich sicherlich nicht...aber jemand der an Informationen interessiert ist. Jedenfalls derjenige der mich beauftragt hat. Aber wenn du über so eine gute Beobachtungsgabe verfügst, dann kriegst du sicherlich viel mit. Vielleicht so gar etwas, was von Wert sein könnt und dir mehr einbringt, als mich verprügeln zu lassen.






  • Ich grinste meinen Kumpel an. Klar, der Kerl verheimlichte mir auch weiterhin irgendwas, aber wer tat das in diesem Land schon nicht? Es gehörte fast schon zur guten Sitte, sich seine eigenen, kleinen, schmutzigen Geheimnisse zuzulegen. Für mich jedenfalls war die Antwort meines Gegenüber ausreichend, zumindest vorerst.


    "Ich habe meine Verbindungen und ich habe meine Fähigkeiten und ich mag es durchaus Geld zu haben. Da dir scheinbar, zumindest in diesem Millieu die ersten beiden Punkte fehlen, du dafür aber mit Sicherheit Geld hast, können wir wohl in Geschäft kommen. Allerdings müsste ich dann schon wissen wonach ich mich umhören sollte."

  • Musste ein Grinsen unterdrücken. Er verfügte zwar über sehr gute Kontakte aber für das was er vor hatte, nutzen diese ihm wenig oder besser ausgedrückt würden ihn das Nutzen dieser Kontakte unter Umständen kompromittieren. Das wollte er vermeiden.


    Mein Auftraggeber ist interessiert an Informationen über Saigō Kaede-sama und Akasugi Shun-sama. An wie nenne ich es am besten....delikaten Details über diese Personen. Mein Auftraggeber würde für entsprechende Informationen gut zahlen.


    Zum Glück war es recht laut in der Kaschemme . Aus den Musikboxen, die schon bessere Tage erlebt hatten dröhnte quakend die Musik, Leute grölten herum oder stritten sich mit zunehmenden Alkoholpegel lautstark. So waren sie einiger Maßen sicher vor Mithörern.

  • Ich hörte den Ausführungen meines potentiellen Kunden genau zu. Informationen wollte er, möglichst delikate wie er es ausdrückte. Soweit, so gut. Über die Saigō-Schlampe, das war eine Hausnummer, die Kuge verstand keinen Spaß bei sowas. Und dann fiel der Name, der mich in meine düstersten Erinnerungen abdriften ließ.


    Akasugi... Akasugi... Akasugi...


    Die Beschaffung dieser Informationen war sicherlich keinen Deut leichter, aber das der Kerl Dreck am Stecken hatte und über Leichen ging, das wusste ich aus eigener, leidvoller Erfahrung. Allerdings war ich weder geneigt mein eigenes Seelenleben vor dem Typen vor mir auszubreiten, noch würde mein Wort alleine ausreichen. Allerdings motivierte mich der Name nicht nur den Auftrag trotz der Risiken aufzunehmen, sondern auch, die Arbeit höchst strebsam auszuführen.


    "Das wird nicht billig, mein Freund. Die Saigō und die Akasugi sind die höchste Liga was die Sicherheitsvorkehrungen und die Auswahl ihrer Mitarbeiter anbelangt. Ganz zu schweigen verstehen die keinen Spaß bei sowas und haben auch noch die Regierung im Rücken." Ich überlegte kurz.


    "Ich müsste viele Hände schmieren und sicherlich auch den ein oder anderen Kontakt nutzen. Das wird wirklich ganz und gar nicht billig. Ich hoffe du kannst dir das was du dir wünscht auch leisten."

  • Bemerkte, dass sich sich die Haltung seines Gegenübers beim Namen "Akasugi" leicht veränderte. Wirkte der Mann bis jetzt eher locker, unbekümmert, so als würde er ein Spiel spielen, dass er gewann, so versteifte sich seine Haltung, ganz so als hätte der Name Unbehagen ausgelöst. Er speichert dies in seinem Gehirn ab, als nützliches Detail.


    Was willst du für den Job haben, Kumpel?

  • "Nun Kumpel, du siehst nicht danach aus, als wärest du sonderlich arm. Vermutlich weißt du gar nicht was du eigentlich mit all deiner Kohle anfangen sollst, daher wäre es ja durchaus sinnvoll, das Geld in Form meiner Bezahlung einem guten Zweck zuzuführen und in Umlauf zu bringen."


    Ich grinste mein Gegenüber unverhohlen an.

    "Ich würde sagen 2000 Jadaria-Dollar sollten als Einstieg ausreichend sein. Je nach Erfolgslage wäre dann ein kleiner Bonus fällig."

  • "OK, Kumpel. Das Geschäft gilt. Ich werde mich mal umhören was es so zu hören gibt." Erhob ich mich von meinem Platz und wandte mich im Gehen noch einmal an meinen neuen Geschäftspartner.


    "Ach noch was. Ich bin sehr nachtragend, also keine üblen Tricks."

  • Hab ich nicht vor.


    Schreibt auf einen Zettel aus seinem Notizbuch, in dem er sich unauffällig Anmerkungen machen wollte, bevor er seinen neuen "Freund" kennen gelernt hatte, eine Telefonnummer auf. Es war die Nummer eines Prepaid-Mobiltelefons. gekauft im Ausland und unter falschen Namen angemeldet.


    Wenn du interessante Informationen hast, ruf mich unter dieser Nummer an, kein sonstiger Kontakt zu mir. Dann machen wir einen Ort für die Übergabe aus.

  • "Geht klar, Kumpel." Ergriff ich das Stück Papier und verließ den Laden.


    Draußen zündete ich mir eine Zigarette an, prägte mir die Nummer ein und verbrannte den Papierfetzen. Jetzt würde ich ganz schön was zu tun haben und mich auch meiner Vergangenheit stellen müssen. Doch da gab es noch etwas, oder besser jemanden, um den ich mich kümmern wollte.

  • Zahlt seine Rechnung und begibt sich dann nach draußen, dort schleicht er ein wenig rum, um mögliche Verfolger abzuschütteln. Ruft dann einen Bediensteten seiner Familie an, um sich abholen zu lassen. So wollte er seinen Schwestern nicht unter die Augen treten, weshalb er sich wohl auf irgendeinem Gaststätten-Klo umzug, da der Bedienstete Hideto Kleidung mitgebracht hatte.

  • Hideto hatte sich wiedermal "in Schale" geworfen. Um unauffälliger zu wirken hatte er sich etwas Dreck unter die Fingernägel geschmiert. Den Selbstekel musste er deshalb auch nicht spielen, eine Tatsache, die ihm hier gut zu pass kam, hier unter den Gescheiterten, die sich selbst wohl noch mehr verabscheuten als er sie. Er blickte sich unauffällig um. Er hoffte bald seinen "Freund" ausfindig zu machen. So langsam sollte er über die gewünschten Informationen verfügen. Die ungewohnten Kontaktlinsen, die er wieder trug und der beißenden Rauch von dem was sie hier wohl Zigaretten nannten erschwerten aber Hidetos Vorhaben.